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Universitaet Giessen Fachbereich Veterinärmedizin

Über den Fachbereich

 

Der Fachbereich Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Universität Gießen umfasst 9 Institute und ein Klinikum, die sich im Rahmen ihres Lehrauftrags mit der Ausbildung von Studierenden im Studiengang Veterinärmedizin beschäftigen.

Jährlich werden ca. 210 Studierende aufgenommen, von denen etwa 90 % innerhalb der Regelstudienzeit den Studiengang absolvieren. Die Gesamtzahl der im Studiengang Tiermedizin eingeschriebenen Studierenden beträgt ca. 1580 (Grund- und Promotionsstudium). Bezogen auf die Zahl der Studierenden handelt es sich damit um die drittgrößte der insgesamt fünf tierärztlichen Bildungsstätten in Deutschland.

Historisches

Wilhelm Vix
Wilhelm Vix, geb. 27.3.1802 in Gießen, gest. 1854 Gießen, 1835 a. o. Professor, Gießen, 1847 o. Honorarprofessor für Tierernährung, Tierrassen und Tierkrankheiten in Gießen
Ludwig Nebel
Ludwig Nebel, geb. 17.2.1772 in Gießen, gest. 1854 Gießen, Ab 1798 3. o. Professor für Medizin in Gießen, Pathologische Anatomie, Krankheiten der Haustiere, Vieharzneikunde, Viehseuchen, Hauptmängel, ab 1828 Ausbau der Veterinärmedizin mit W. Vix
Theatrum anatomicum
Theatrum anatomicum am Brandplatz, das im Erdgeschoss das Vix'sche Institut beherbergte.
Georg Pflug
Georg Pflug, am geb. 12.2.1835 in Bayreuth, gest. 3.1.1905 in Gießen, 1868 o. Honorarprofessor u. Direktor am Veterinärinstitut, Gießen 1869, o. Professor in der Medizinischen Fakultät, Gießen

In einigen Punkten unterscheidet sich der Werdegang der Tierheilkunde an der Gießener Universität von dem aller anderen deutschen tierärztlichen Bildungsstätten:

  • die enge unterrichtliche Verknüpfung der tierheilkundlichen Fächer mit denen der medizinischen Fakultät,
  • die von Anfang an geforderte Maturität eines humanistischen Gymnasiums als Voraussetzung für das Studium der Tierheilkunde,
  • das bereits seit 1830 in Gießen bestehende Promotionsrecht zum Dr. in arte veterinaria.

Diese haben sicher zur akademischen und gesellschaftlichen Anerkennung des tierärztlichen Berufes über die Grenzen von Deutschland hinaus beigetragen. Sie waren auch für den Ausbau und die Umwandlung der einstigen Pferde- und Vieharzneischulen in tierärztliche Hochschulen und veterinärmedizinische Fakultäten von grundlegender Bedeutung.

Tierheilkunde wird an der 375 Jahre alten Gießener Universität seit etwa 205 Jahren gelehrt. Ihre historische Entwicklung lässt sich dabei zwanglos in 6 Perioden einteilen:

  1. 1777 - 1827 : Tierheilkundevorlesungen innerhalb der Ökonomischen und der Medizinischen Fakultät der Ludwigs-Universität
  2. 1828 - 1899 :Tierheilkundlicher Unterricht innerhalb der Medizinischen Fakultät der Ludwigs-Universität
  3. 1900 - 1914 : Veterinärmedizinisches Kollegium innerhalb der Medizinischen Fakultät der Ludwigs-Universität
  4. 1914 - 1945 : Veterinärmedizinische Fakultät der Ludwigs-Universität
  5. 1945 - 1970 : Veterinärmedizinische Fakultät der Hochschule für Bodenkultur und Veterinärmedizin der Justus-Liebig-Hochschule
  6. ab 1970 : Fachbereich Veterinärmedizin (1970), Veterinärmedizin und Tierzucht (1975) bzw. wieder Veterinärmedizin (1985) der Justus-Liebig-Universität

Die erste Periode ist gekennzeichnet durch das Bemühen, Tierheilkundige innerhalb der Ökonomischen (1777-1785) und der Medizinischen Fakultät (1785-1827) auszubilden. Die ersten Lehrer der Tierheilkunde waren die Professoren Dr. med. J. L. F. Dietz und  Dr. med. E.L.W. Nebel. Maßgebend für das Ausbildungsvorhaben waren die im 16. - 18. Jahrhundert gehäuft auftretenden Tierseuchen, besonders die Rinderpest, Milzbrand, Lungenseuche und Rotz. Die verheerenden Seuchenzüge sowie die kriegsbedingten Verluste an Truppenpferden zwangen die Regierung zu Seuchenbekämpfungsmaßnahmen und veranlassten sie zur Ausbildung von Tierärzten und zur Errichtung von Vieharzneischulen.
Zunächst oblag die Behandlung kranker Tiere und die Bekämpfung der Tierseuchen nur empirisch tätigen Tierheilkundigen aus dem Kreis der Schäfer, Viehhändler und Schmiede, die ihr Wissen innerhalb der Familien von Generation zu Generation weitergaben. Da deren Wissen und Können jedoch Grenzen gesetzt waren, wandte sich die Regierung immer wieder an die Medizinische Fakultät der Landesuniversität Gießen. In völliger Ermangelung an Tierärzten wurde damals die staatliche Tierseuchenbekämpfung sowie die Lebensmittelkontrolle von so genannten Physici, den späteren Kreisärzten, ausgeführt. Von ihnen nahm man an, dass sie aufgrund des allgemeinen medizinischen Wissens der damaligen Zeit auch die nötigen Kenntnisse auf dem Gebiet der Tierseuchenbekämpfung haben müssten, was jedoch keineswegs der Fall war. Auch die Ausbildung in Tierheilkunde an der Gießener Universität war äußerst unzureichend. Um diesen Zustand zu beseitigen, wurde 1875 der Arzt Dr. med. E. L. Nebel zum Kurzstudium der Tierheilkunde an die Tierarzneischulen in Wien, Dresden, Berlin und Hannover geschickt, um sich dort die nötigen Spezialkenntnisse anzueignen. Nach seiner Rückkehr hielt er wöchentlich ein zweistündiges Kolleg über Viehseuchen und ihre Bekämpfung. Seine Hörer waren Studenten der Medizin, die später als Amtsärzte auch in der Bekämpfung von Tierseuchen eingesetzt werden sollten.
Diese Situation lag vor als K.W. Vix (geb. 23.3.1802 in Gießen) als Kreistierarzt nach Gießen berufen wurde, womit für ihn die Auflage verbunden war, Vorlesungen über Veterinärwissenschaft zu halten.
Damit begann die für die akademische Ausbildung von Tierärzten in Deutschland wichtige zweite Periode der Tierheilkunde an der Ludwigs-Universität Gießen. K. W. Vix wurde Mitglied der Medizinischen Fakultät und von diesem Zeitpunkt an ist Veterinärmedizin ununterbrochen und mit dem Ziel der Ausbildung von akademisch gebildeten Tierärzten in Gießen betrieben worden. K.W. Vix hat in Hannover und Wien Tierheilkunde und in Wien und Göttingen Humanmedizin studiert, wo er zum Dr. med. promoviert wurde.
Bereits im Jahr 1804 hatte der Professor für Medizin und Landphysikus J. S. E. Schwabe ein Gesuch zur Errichtung eines privaten Veterinärischen Lehr- und Heilinstitutes eingereicht, das jedoch abgelehnt wurde. Auch ein zweiter Versuch 1805 scheiterte aufgrund der mangelnden Unterstützung seitens der Medizinischen Fakultät. Bis auf das Zugeständnis, im Theatrum anatomicum am Brandplatz Situsdemonstrationen vornehmen zu dürfen, stießen auch alle späteren Versuche, Räumlichkeiten für ein Tierarzneiinstitut mit Stallungen in der Kaserne zu erhalten, auf wenig Resonanz.
Mit K. W. Vix hatte die Gießener Universität nun den Schöpfer des ersten Gießener tierärztlichen Institutes erhalten. Nachdem er seine ersten Vorlesungen über die "Anatomie der vorzüglichen Haustiere mit Sezierübungen, Physiologie der Haustiere, Allgemeine Pferdekenntnis" im Wintersemester 1828/29 im Theatrum anatomicum, in der benachbarten Reitbahn und einem Stall gehalten hatte, wurde ihm die Eröffnung eines allgemeinen Tierspitals im Zimmerhof neben dem Zeughaus ermöglicht. Die Unterhaltung dieser Einrichtung finanzierte Vix zunächst aus eigener Tasche, später bekam er dann einen bescheidenen staatlichen Zuschuss. Unter K. W. Vix wurden die ersten akademischen Tierärzte ausgebildet, wobei das Abitur (Maturum) seit 1830 die Voraussetzung zum Studium der Tierheilkunde in Gießen für Tierärzte I.-Ordnung war. Jedoch hatte sich die Medizinische Fakultät dazu verpflichtet, vorübergehend Tierärzte II. Klasse ohne besondere schulische Vorbildung sowie tierheilkundliches Hilfspersonal auszubilden. Im Jahr 1830 wurde die Medizinische Fakultät der Ludwigs-Universität Gießen ermächtigt, Tierärzte I. Ordnung zum Dr. in arte veterinaria zu promovieren. Als erster wurde am 31.3.1832 August Pfannstiel in Gießen zum Doktor der Tierheilkunde promoviert. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistung und seiner organisatorischen Fähigkeiten wurde K. W. Vix am 14.2.1835 zum a. o. Professor und im Mai 1847 zum ordentlichen Professor ernannt. Auf Anregung von K. W. Vix wurde das bisherige Theatrum anatomicum der Medizinischen Fakultät am Brandplatz zum Veterinärinstitut umgestaltet und im Herbst 1849 siedelte das Vix'sche Institut in das Erdgeschoß der alten Anatomie über. Am 12.5.1866 starb K. W. Vix im Alter von 64 Jahren. Er wurde auf dem alten Friedhof in Gießen begraben. K. W. Vix war ohne Zweifel der Begründer der akademischen tierärztlichen Ausbildung in Deutschland und ein mutiger Vorkämpfer für die gesellschaftliche Anerkennung des tierärztlichen Berufsstandes.

Am 10.2.1868 wurde die Berufung von J.G. Pflug (Würzburg) als Nachfolger von Vix, eingestuft als ordentlicher Honorarprofessor und beauftragt mit der "Direktion des Veterinärinstitutes", ausgesprochen. Sein größter Verdienst war es, 1871/72 den Bau einer neuen Veterinäranstalt am Seltersberg, der heutigen Frankfurter Straße 85/87, errichtet zu haben. Es entstanden ein Hauptgebäude mit Hörsaal, Sammlungs- und Arbeitsraum usw., ein Klinikstall für Großtiere mit Lehrschmiede und eine kleine Hundeklinik. Des weiteren enstanden ein Veterinär-Anatomisches Institut mit Präparier- und Sektionssaal und 1886 hinter dem Kliniksgebäude ein Sektionshaus. Vor den Gebäuden befand sich der Klinikshof mit der Vorführbahn. Im Jahr 1876 wurde hinter der Veterinäranstalt der schon 1874 von Pflug beantragte Isolierstall gebaut und 1889 die Anatomie aufgestockt für die Aufstellung einer Skelettsammlung. Neben Prof. Pflug waren für den Unterricht in Tierheilkunde der Kreisarzt Dr. med. vet. Th.F.L. Winkler von Gießen und ab 1879 der 1874 zum Dr. med. vet. promovierte Fr. Eichbaum als a. o. Professoren für die Veterinär Anatomie berufen. Letztgenannter schuf mit seinem 1885 publizierten "Grundriß der Geschichte der Tierheilkunde" ein über Jahrzehnte hinaus gültiges Werk.

Mit der Jahrhundertwende begann für Gießen die dritte und wesentlichste Periode der Konstituierung der Veterinärmedizin durch die Berufung des späteren Geheimen Medizinalrates Dr. phil. Dr. Dr. med. vet. h.c. W. Pfeiffer als ordentlicher Professor in die Medizinische Fakultät der Ludwigs Universität. Als Beleg seiner veterinärchirurgischen Erfahrung mag sein seit 1897 erschienener "Operationskurs für Tierärzte und Studierende" gelten, dessen 16. Auflage 1948 erschien. Seinem organisatorischen Talent ist der eigentliche Auf- und Ausbau der Veterinärmedizinischen Fakultät zu verdanken. Seine erste und wichtigste Aufgabe sah er in der Vergrößerung des Lehrkörpers, in der Neuordnung und Unterteilung der Unterrichtsfächer sowie in der Planung neuer Kliniken und Institute, wobei er von Kollegen der Medizinischen Fakultät, namentlich den Professoren Bostroem (Pathologe), Geppert (Pharmakologe), Gaffky (Hygieniker) und Sommer (Psychiater) tatkräftige Unterstützung erhielt. Zu den neu berufenen Professoren gehörten hervorragende Wissenschaftler der damaligen Zeit, wie die Doktoren Olt, Martin, Gmeiner, Zwick und Knell. Sie bildeten innerhalb der Medizinischen Fakultät das "Veterinärmedizinische Kollegium". Schon im Jahr 1900 wurde von Pfeiffer ein begründetes Bauprogramm vorgeschlagen, um den Bedürfnissen eines neuzeitlichen Unterrichts unter Wahrung des Charakters einer selbständigen Forschungsstätte Rechnung zu tragen. In den Jahren 1904 bis 1907 entstanden auf dem heutigen Fachbereichsgelände zwischen Frankfurter Straße und der Main-Weser-Bahn südlich vom Steg ein Veterinäranatomisches Institut (jetziges Institut für Tierärztliche Nahrungsmittelkunde), ein Veterinärpathologisches Institut, eine Chirurgische Veterinärklinik mit Lehrschmiede und ein klinisches Hörsaal- und Verwaltungsgebäude. 1910 konnte der Neubau der Medizinischen Veterinärklinik eingeweiht werden, womit neben der klaren Abgrenzung der Institute auch die Entflechtung der Kliniken eingeleitet wurde.

Am 17. November 1914 wurde das Veterinärmedizinische Kollegium innerhalb der Medizinischen Fakultät zu einer selbständigen Veterinärmedizinischen Fakultät, womit die vierte Periode der Entwicklung der Veterinärmedizin in Gießen begann, die mit dem Chaos des 2. Weltkrieges endete.
Dieser Zeitabschnitt ist gekennzeichnet durch eine ständige Zunahme der Studentenzahlen, bedingt durch den Ausbau und die weitere Spezialisierung der Institute und Kliniken, durch die Verleihung des Habilitationsrechtes sowie durch die Neuberufung weiterer Lehrkräfte. Hier ist zunächst Prof. Dr. W. Zwick von Wien zu nennen, der 1919 als Ordinarius für Innere Medizin berufen wurde, jedoch 1929 wegen besonderer Neigungen an das neugeschaffene Ordinariat für Veterinärhygiene und Tierseuchenlehre überwechselte. Er begründete das Veterinärhygienische- und Tierseucheninstitut. Das Institut entstand 1922/24 aus dem Umbau der alten Veterinäranstalt in der Frankfurter Straße 85/87. So wurde auf dem ganzen Gelände der alten Veterinäranstalt nun als Neubau und unter teilweiser Verwendung jener Altbauten ein einziges neues, für Seuchenlehre und -forschung sehr wertvolles Institut geschaffen. Für das Rektoratsjahr 1926/27 war W. Zwick dank seiner tatkräftigen Persönlichkeit zum 1. tierärztlichen Rektor der Universität Gießen gewählt worden. Auch während dieser vierten Periode wurden traditionsgemäß die Vorlesungen und Übungen in Physiologie und Pharmakologie sowie die Vorlesungen über allgemeine Pathologie noch von Professoren der Medizinischen Fakultät gehalten. Mit dem Ausscheiden von W. Zwick als Direktor der Medizinischen Veterinärklinik wurde 1927 Professor Dr. J. Nörr von Sofia als ordentlicher Professor berufen. Für den 1928 emeritierten Geh. Med. Rat Prof. Dr. P. Martin wurde Dr. W. Schauder als ordentlicher Professor und Direktor des Veterinäranatomischen Institutes von Leipzig nach Gießen berufen. Prof. Schauder hat sich u. a. besondere Verdienste als Veterinärhistoriker der Universität Gießen erworben. Prof. Pfeiffer wurde 1935 emeritiert. Sein Nachfolger bis 1945 war Prof. Dr. W. Bolz von Berlin. Nach langen Bemühungen und zähen Verhandlungen mit dem Hessischen Kultusministerium wurde der Veterinärmedizinischen Fakultät im Jahr 1940 endlich ein planmäßiges Extraordinariat für Veterinärphysiologie bewilligt, in das Prof. Dr. Ing. Dr. med. vet. P. Luy von Teheran berufen wurde. Der für die Entwicklung des veterinärmedizinischen Studiums so grundlegende und vielversprechende vierte Abschnitt endete im Brand- und Sprengbombenhagel am Abend des 14. März 1945, wobei ein großer Teil der Institute und Kliniken zerstört wurde. Bereits zuvor, am 20. Juli, 3. und 6. Dez. 1944 und am 1. Jan. 1945, waren Teile der Institute in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört worden. Mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen Ende März 1945 wurde die Ludwigs-Universität geschlossen. Nach dem 2. Weltkrieg war die Teileröffnung der Gießener Universität lediglich der Tatsache zu verdanken, dass sie als einzige der vier Hochschulen in dem von der amerikanischen Besatzungsmacht neugeschaffenen Land Großhessen eine veterinärmedizinische und eine landwirtschaftliche Fakultät besaß. Mit der Errichtung der "Hochschule für Bodenkultur und Veterinärmedizin" wurde die Voraussetzung für die Entstehung der Justus-Liebig-Universität als Traditionsnachfolgerin der Alma mater Ludoviciana geschaffen.

Der Unterricht wurde in der nun angebrochenen fünften Periode der veterinärmedizinischen Entwicklung in Gießen im Mai 1946 unter den ungünstigen räumlichen, personellen und finanziellen Bedingungen zunächst nur provisorisch wieder aufgenommen. Außer dem Reifezeugnis mussten die Studienbewerber bestimmte politische Bedingungen erfüllen. Da der Andrang nach sechs Kriegsjahren verhältnismäßig stark war, hatten hervorragend Begabte Vorrang. Außerdem wurden alle die bevorzugt zugelassen, die seit 1933 aus rassischen oder politischen Gründen vom Studium an einer Deutschen Hochschule oder Universität ausgeschlossen oder aus denselben Gründen anderweitig schwer benachteiligt worden waren. Im übrigen wurde die Zulassung durch ein in sich widersprüchliches Punktesystem geregelt. Da in den ersten drei Wintersemestern bis zur Währungsreform nicht genügend Heizmaterial zur Verfügung stand bzw. die Heizungsanlagen noch nicht wieder instandgesetzt waren, wurden Vorlesungen und Übungen in Mänteln durchgeführt. Trotz all dieser Erschwernisse und widrigen Umstände war der Andrang zum veterinärmedizinischen Studium mit 1200 Bewerbern so groß, dass wegen der nur begrenzten Kapazität der Hörsäle und Kursräume schon damals ministeriell ein Numerus clausus eingeführt werden musste. Mehr als die Hälfte aller an der Hochschule für Bodenkultur und Veterinärmedizin Studierenden waren damals Tiermediziner, so dass die Veterinärmedizinische Fakultät zur tragenden Säule dieser neuartigen Hochschule wurde. Ihre Umbenennung in Justus-Liebig-Hochschule erfolgte 1950 mit der Eröffnung der Akademie für medizinische Forschung und Fortbildung. Nach ersten Anfangsschwierigkeiten war es vordringliche Aufgabe der Fakultät, den zunächst provisorischen Unterricht durch Neuberufungen auf die vorhandenen Lehrstühle zu verbessern, den Wiederaufbau teilzerstörter Institute und Kliniken in Angriff zu nehmen sowie den Neubau der stark zerstörten alten medizinischen Veterinärklinik und neuer dringend benötigter Institute in die Wege zu leiten. In dieser fünften Periode der Entwicklung der Veterinärmedizin an der Universität Gießen gab es zahlreiche personelle Änderungen. Am Veterinäranatomischen Institut war Prof. Schauder einer der ersten Professoren bei der Neueröffnung der Hochschule im Sommersemester 1946. Im unermüdlichem Einsatz für die Studenten versah er den Lehrstuhl bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1953. 1954 wurde Prof. A. Schummer von Hannover als Nachfolger berufen. Unter seiner Direktion konnte in den Jahren 1959 bis 1964 das neue Veterinäranatomische Institut errichtet werden, das eines der schönsten und zweckmäßigsten Europas ist. Prof. Schummer war 1960/61 Rektor, 1961/62 Prorektor der anläßlich der 350-Jahrfeier der Ludwigs-Universität fast wieder voll rehabilitierten Justus-Liebig-Universität.

Die sechste Periode der Entwicklung der Veterinärmedizin in Gießen begann mit dem neuen Hessischen Universitätsgesetz vom 12.5.1970. Die Bestrebungen dieses Gesetzes galten der Beseitigung der hierarchischen Strukturen der alten Ordinarienuniversität Humbold'scher Prägung. Die Forderung nach mehr Transparenz an den Hochschulen und für das Mitbestimmungsrecht der Studenten und Assistenten (so genannte Drittelparität) führte zur Schaffung der Gruppenuniversität. Durch die Verordnung vom 13.3.1971 wurden die Fakultäten abgeschafft und durch Fachbereiche ersetzt, die Kliniken und Institute sollten in Betriebseinheiten umgewandelt werden. Jedoch hatte die Veterinärmedizinische ähnlich wie die Humanmedizinische Fakultät wegen der Erfüllung wichtiger Dienstleistungen für die Bevölkerung in Form von Patientenbetreuung und Materialuntersuchungen den Vorzug, nur den Namen ändern zu müssen, ohne wesentlich an Substanz einzubüßen. Der größte Teil der Veterinärmedizinischen Fakultät stellte nach dem neuen Gesetz den Fachbereich 18 dar. Lediglich die Institute für Erbpathologie und Zuchthygiene sowie für Tropenveterinärmedizin wurden aus dem früheren Fakultätsverband herausgenommen und bildeten mit dem Institut für Tierzucht und Haustiergenetik der ehemaligen Landwirtschaftlichen Fakultät den Fachbereich 17 (Angewandte Genetik und Leistungsphysiologie der Tiere). 1975 wurden beide Fachbereiche zum neuen Fachbereich 18 (Veterinärmedizin und Tierzucht) zusammengelegt. Forschung und Lehre wurden durch das neue, am 16.6.1978 in novellierter Fassung in Kraft getretene Gesetz weniger betroffen, während die Personalstruktur z. T. beachtliche Veränderung erfuhr, die sich sehr nachteilig für den zukünftigen wissenschaftlichen Nachwuchs auswirkte. Die für die besondere Art der Entwicklung der Tiermedizin in Gießen so wichtigen engen Kontakte zur Medizinischen, aber auch den Naturwissenschaftlichen und Landwirtschaftlichen Fakultät haben sich bis in die heutige Zeit erhalten und führten zu einer fruchtbaren wissenschaftlichen Zusammenarbeit. So sind im neuen Mehrzweckgebäude des Fachbereiches in der Schubertstraße, das im Dezember 1971 in Betrieb genommen wurde, jeweils die Institute Virologie, Pharmakologie und Toxikologie sowie Bakteriologie und Immunologie des Fachbereiches Veterinärmedizin und die Lehrstühle für Virologie, Pharmakologie und Medizinische Mikrobiologie des Fachbereiches Medizin untergebracht. Die enge Verbindung der beiden virologischen Institute stellt die Basis für die Bildung des Sonderforschungsbereiches Virologie dar, dem neben einer Arbeitsgruppe der Pflanzenvirologie noch Arbeitsgruppen aus den Instituten für Veterinärpathologie, Medizinische Mikrobiologie, Medizinische Pathologie und Medizinische Biochemie angehören.

 

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